Spätestens seit 2020 ist jedem arbeitstätigen Menschen "Homeoffice" ein Begriff. Mittlerweile können es viele schon gar nicht mehr hören. Das liegt aber nicht an der Negativität das diese Arbeitsweise mit sich bringt, sondern eher an der inflationären Verwendung des Begriffs. Für den einen ein Segen, kann für den anderen ein Horror sein. Das scheidet sich allein schon an der Frage, wo denn Zuhause gearbeitet wird. Nicht jeder hat sich auf diese Möglichkeiten vorbereiten können und sitzt bisweilen immer noch am Küchentisch, an dem vielleicht die Kinder ständig vorbeiflitzen. Eine gute Portion Selbstorganisation ist hier oftmals hilfreich, denn nicht jeder weiß auf Anhieb, wie er denn von Zuhause aus seine Arbeit erledigen soll.
Wurden Mitarbeitende ausreichend dafür geschult?
Laut einer Umfrage von Statista (2020) jedenfalls, hat die Mehrheit der gefragten keine gesonderte Schulung zur Arbeit im Homeoffice bekommen. Das lässt darauf schließen, dass Arbeitgeber davon ausgehen, es läge jedem. An deutschen Schulen jedenfalls sehen wir häufig, dass dem nicht so ist. Die Erfahrung mit digitalen Kommunikations- und Lernmitteln umzugehen ist ziemlich heterogen verteilt. Grund hierfür könnten u.a. der jeweilige sozioökonomischen Status, das Alter oder die jeweilige Position sein. Allein schon deshalb sehe ich es als wichtig an, hier Klarheit zu schaffen und zumindest jedem die gleichen Ausgangsvoraussetzungen zu bieten. Eine derartige Schulung sollte eine Anleitung zum Selbstmanagement, Software-Schulung und hilfreiche Tipps zur Heimarbeit beinhalten. Zu dieser Studie wurden 599 ArbeitnehmerInnen mit der Möglichkeit zur Heimarbeit im Zeitraum zwischen März-Oktober 2020 befragt.
Ist Homeoffice durchweg eine Verbesserung?
Es gibt durchaus objektive Gründe, um zumindest nicht uneingeschränkt die Arbeit von Zuhause zu glorifizieren. Schließlich muss man selbst kochen, die Wohnung heizen und eventuell Büromaterialien anschaffen oder zumindest eine büroähnliche Atmosphäre schaffen. Sonst kann die gewonnene Zeit, die nicht im Stau gestanden werden muss, auch schnell mal dahinfließen. Diese Frage ist natürlich spannend und kann nur im Feld abgefragt werden. Aus diesem Grund habe ich einen kleinen Fragebogen entworfen, der Aufschluss über die bei vielen neu gewonnenen Möglichkeiten geben soll:
Von 40 Befragten, gaben 72,5% an Heimarbeit und Vertrauensarbeitszeit zu haben. Zu etwa gleich hohen Anteilen verspüren die Befragten einen Zugewinn an Autonomie, positivere Stimmung, fühlen sich motivierter und erledigen Aufgaben schneller. Verständigungsprobleme mit Kollegen treten bei etwa 28% der Befragten manchmal auf, bei den meisten aber keine. Die Mehrheit der Befragten würde für die Zukunft darauf setzen, die Möglichkeit zur Heimarbeit weiterhin zu bekommen. Diese Umfrage ist keine saubere Erhebung a la Markt- und Meinungsforschungskriterien, aber ein guter Indikator dafür, wie Menschen zukünftig zusammenarbeiten werden. Den Trend jedenfalls diese beiden Aspekte auf der "das bieten wir dir" Seite von Stellenausschreibungen weiterhin zu sehen ist offensichtlich.
Langzeiteffekte beobachten
Interessant werden die Langzeiteffekte sein. Veränderungen fühlen sich zu Beginn besser an, weil sie neu sind. Arbeitspsychologische Grundüberlegungen wurden seit ihren Anfängen um 1900 Jhd. mehrmals überarbeitet und verworfen. Heute dominiert das Menschenbild des "Complex Man" was die Effekte von Arbeit auf Gesundheit, Zufriedenheit und Entwicklung des Menschen untersucht. Wie sich diese vielfältigen Bedürfnisse weiterentwickeln und welche Effekte es haben wird, muss noch weiter untersucht werden. Glücklicherweise gibt es schon jetzt zahlreiche Studien mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Das Frauenhofer Institut erforscht aktuell (Anfang 2021) die Langzeiteffekte von Homeoffice. Wir dürfen also gespannt sein, ob Homeoffice nicht auf Dauer auch Einsamkeit, Faulheit oder Überanstrengung triggert. Die Digitalisierung hält noch einige Überraschungen für uns bereit und wir dürfen gespannt sein, was sich in Zukunft noch so ändern wird - ob positiv oder negativ.
